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Findet ihr es auch aufregend, die Bilder an den Wänden zu betrachten, wenn ihr in eine unbekannte, private Wohnung eingeladen werdet? Die Bilder erzählen meist Geschichten aus einem ganz persönlichen Leben. Hier hängen Kinderzeichnungen neben vergilbten, runzligen Ur-Ur-Urgroßeltern und man erinnert sich sofort an die eigene Kindheit - oder an das allmorgendliche Spiegelbild beim Rasieren. Urlaubseindrücke und lustige selbstgemalte Acrylbilder zieren die fremden Wände, Geschenke von lieben Freunden und Erinnerungen an tierische Herzverwandte, man kommt aus dem Staunen nicht heraus!

Dann gibt es die "Sammlerinnen und Sammler". Sie kaufen kleine Werke, Bilder und Fotografien, Aquarelle und Rötelzeichnungen, wo immer sie das gute Gefühl haben, sich damit umgeben zu wollen. Oft kann man nicht in Worte fassen, warum man genau dieses Bild will, oder jenes, das ist sehr spannend. Wir bauen Emotionen zu unseren Bildern auf, ohne eine Erklärung dafür zu haben. Mit der Zeit wächst dann eine Geschichte in der Geschichte um uns herum. Das passiert nicht von heute auf morgen, sondern ist ein Prozess im Leben.

Manchesmal sieht man aber auch Fertigbilder von Ikea an den Wänden, und für einen Moment hat man den Eindruck, man steht in einem Verkaufsraum im Möbelhaus, nur dass die Blumenvase nicht festgeklebt und der Flachbildfernseher nicht aus Pappe ist. Es ist auch besonders amüsant, wenn man in verschiedenen Wohnungen die gleichen Kunstdrucke hängen sieht und dann die Namen der Gastgeber verwechselt. Es ist eine lustige Welt, in der wir leben und ich genieße das.

Ich selbst gehe in dieser Weise gar nicht mit gutem Beispiel voran. In meinem Atelier stapeln sich zwar die Bilder und Aquarelle, meine Festplatten sind voll mit Wolfsfotos und Erinnerungen an lustige Momente mit den Tieren, ich habe schachtelweise Fotos aus meiner Kindheit ... aber ich finde einfach nicht die Zeit, meine Bilder zu rahmen, meine Erinnerungen aufzuhängen und mich mit dem visuellen Saum meiner Geschichte zu umgeben.

Eine Ausrede, ich weiß. Der Plan ist aber, im Sommer meine Wohnung etwas aufzuhübschen. Die Fenster müssen ja auch noch geputzt werden, das kann ich dann gleich verbinden. Na, mal sehen, ob ich es schaffe. Meine Schwäche ist einfach, dass ich Bilder zwar gerne male und meine Wahrnehmung in Fotografien festhalte, aber sie nicht zeige. Mit der Website soll ein Anfang gemacht werden - und wenn dann endlich meine eigenen Bilder auch an den Wänden hängen, dann werde ich mich auch um Zimmerpflanzen bemühen. Aber das ist eine völlig andere Geschichte.

Rooobert Bayer - Bildender Künstler