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Psssst ... Wir befinden uns am Wolfsforschungszentrum in Ernstbrunn, wo Wölfe, Hunde und Menschen wissenschaftliche Arbeit betreiben. Stören wollen wir sie nicht dabei, daher ist das Testhaus auch von den Besucherinnen und Besuchern im Wildpark getrennt.

In drei Tagen wird Nanuk 9 Jahre alt. Die vielen Tests, die der riesige Wolf schon gemacht hat, müssten ihm eigentlich längst einen Doktortitel eingebracht haben - und wie ich Nanuk kenne, würde er ihn auch mit Stolz tragen und jeden Tag Una zeigen (seine Partnerin), bis sie genervt mit den Augen rollt. Die beiden sind herrlich. Während sich Nanuk im Geruch von Besuchern wälzt und jedes fremde Molekül in seinem Fell aufnimmt, liegt Una im Schatten und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Nanuk gehört zu jenen Wölfen am Wolfsforschungszentrum (WSC), die in der Natur nicht überlebt hätten, da sie von ihrer Mutter nicht angenommen wurden. Im Alter von zwei Wochen hatte er eine Mittelohrentzündung und seitdem eine Sehschwäche am linken Auge. Das WSC bietet Nanuk und den anderen ein großartiges Leben mit täglich spannenden Herausforderungen, mit liebevoller Aufzucht und Betreuung, mit Trainingseinheiten, medizinischer Betreuung und auch mit viel Spaß - und die Tiere bedanken sich mit ihrem natürlichen Fleiß, ihrer Neugierde und ihrer Kooperation - und manchmal nerven sie die Trainerinnen auch, denn Wölfe haben einfach ihren eigenen Willen (und den wissen sie auch durchzusetzen).

Für mich als Fotograf am WSC ist die Arbeit mit Nanuk meistens sehr einfach. Er kennt mich jetzt seit zweieinhalb Jahren und immer wenn wir einander sehen, muss er sich erstmal an meinem T-Shirt wälzen. Im Moment sind die Tiere im Fellwechsel und gestern habe ich nach seiner Begrüßung ausgesehen wie ein Flokati-Teppich. Die Haare krieg ich nie wieder aus den Klamotten, das kann ich vergessen. Jedenfalls, Nanuk ist wahrscheinlich der "einfachste" Wolf hier am Forschungszentrum - zumindest Besuchern gegenüber. Man unterschätzt ihn dadurch allzu leicht und das sollte man mit Wölfen nicht machen.

Wichtig ist bei Nanuk, dass man sich ihm nicht nähern darf (wenn er möchte, dann kommt er von sich aus) und auf keinen Fall von oben, wegen seiner Sehschwäche. In drei Tagen wird er bestimmt von den Trainerinnen ein kleines Geburtstagsgeschenk bekommen - so wie Wamblee vor ein paar Tagen. Aber Wamblee, haha, das ist eine ganz andere Geschichte ...

Rooobert Bayer - Bildender Künstler